Pastoralpsychologie in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

Zum Selbstverständnis des Pastoralpsychologischen Dienstes

1. Strukturen

Die Arbeit des Pastoralpsychologischen Dienstes (PPD) in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ist erwachsen aus der Tätigkeit von Propst Prof. Dr. R. Gebhardt und den Kursen in Klinischer Seelsorge-Ausbildung (KSA), die durch die Pfarrer D. Roos und K. Moritz in Hephata durchgeführt wurden. Heute gibt es dafür das Institut für Pastoralpsychologische Fort- und Weiterbildung in Kassel.

Daneben führte die Errichtung pastoralpsychologischer Stellen in den Jahren 1989 bis 1997 in den vier Sprengeln zu einer Entflechtung dieser Arbeit von kirchenleitenden Ämtern. Seitdem gibt es in der EKKW ein flächendeckendes Angebot interner Supervision für Pfarrer/innen und Vikarinnen/Vikare.

Die von der Kirchenleitung mit einer pastoralpsychologischen Stelle Beauftragten besitzen eine Doppelqualifikation: Sie sind sowohl Pfarrer/innen als auch Pastoralpsychologen/innen. Sie verfügen sowohl über pfarramtliche Erfahrungen als auch über pastoralpsychologische Qualifikationen nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie (DGfP). Sie arbeiten in eigenen Zuständigkeitsbereichen in den Sprengeln oder in der Fort- und Weiterbildung. Gemeinsam bilden sie die Pastoralpsychologische Konferenz.

Die Zusammenarbeit verschiedener Sektionen der DGfP (Klinische Seelsorge-Ausbildung/KSA, Tiefenpsychologie/T, Gestaltseelsorge und Psychodrama in der Pastoralarbeit/GPP, Gruppe-Organisation-System/GOS, Personenzentrierte Psychotherapie und Seelsorge/PPS) hat sich in der EKKW als wechselseitige Bereicherung bewährt. Weitere Zusammenarbeit findet in bereichsübergreifenden Aufgaben statt wie z. B. Seelsorge-Ausbildung im Vikariat, Pastoralkollegs, sprengelübergreifende Gruppenangebote. Als interne Supervisor/inn/en sind sie dem Personalreferat zugeordnet und gehören zum Seelsorge-Ausschuss der EKKW.

2. Werte

Pastoralpsychologische Arbeit findet als Begegnung statt. Sie ist gekennzeichnet durch Wertschätzung und Annahme, Offenheit und Vertrauen. Leben wie Beruf können in ihren unterschiedlichen Bezügen in den Blick genommen werden. Neue Sicht- und Handlungsweisen können entstehen. Grundlegend dafür ist die zum Leben befreiende Botschaft des christlichen Glaubens. Diese Arbeit findet auf der Grundlage vertrauensvoller Beziehungen statt und bedarf eines hohen Maßes an Schutz und Verschwiegenheit.

3. Ziele

Ziel der pastoralpsychologischen Arbeit ist die Qualifizierung und Unterstützung von Pfarrer/innen in Bezug auf ihren pfarramtlichen Tätigkeiten, insbesondere der Seelsorge. Dem dient die Entwicklung und Förderung von Kompetenzen in den Bereichen:

  • Selbst- und Fremdwahrnehmung;
  • Kommunikation und Interaktion;
  • Sensibilisierung für unbewusste Konflikte;
  • Erkennen eigener Muster und Prägungen;
  • Balance von Möglichkeiten und Grenzen;
  • Wahrnehmung eigener Ressourcen;

Dadurch wird die Entwicklung einer eigenen pastoralen Identität gestärkt. Dies ermöglicht die Erweiterung von persönlichen Deutungs- und Handlungsmöglichkeiten bezogen auf Seelsorge, auf Konfliktfähigkeit und Leitungskompetenz sowie in Bezug auf den Umgang mit Gruppen und auf einen erfahrungsbezogenen Umgang mit theologischen Themen.

4. Kompetenzen

Die Beauftragten für den Pastoralpsychologischen Dienst sind Fachleute für Seelsorge, pastorale Supervision und Beratung. Ihre Arbeit qualifiziert sich im Zusammenspiel verschiedener Kompetenzen:

Die Wahrnehmungskompetenz bezieht sich auf die Unterscheidung theologischer, psychologischer und systemischer Ebenen. Sie verhilft zur Klärung von Aspekten des Glaubens, der Persönlichkeit, der Beziehungen sowie der Strukturen.

Als Pfarrerinnen und Pfarrer besitzen sie die erforderliche Feldkompetenz im Arbeitsfeld Kirche. Deren spezifische Organisationskultur ist ihnen gerade als internen Supervisor/innen vertraut.

Die Kompetenz der professionellen Haltung wird von ihnen im Einzelfall ausgeübt in einem Dreieck der Annahme des jeweiligen Gegenüber, der Loyalität zur Institution Kirche und eigener Rollenklarheit.

Die Beziehungskompetenz der Pastoralpsycholog/inn/en hat in mehrfacher Hinsicht Modellcharakter: Sie macht transparent, wie Kontakt aufgenommen, gestaltet und beendet werden kann.

Die Methodenkompetenz erweist sich darin, dass unterschiedliche Methoden verantwortlich angewendet werden, die den Anliegen der Ratsuchenden und der Situation angemessen sind.

Die spirituelle Kompetenz ermöglicht, in der Begleitung pfarramtlicher Arbeit theologische, geistliche und rituelle Aspekte wahrzunehmen, zu reflektieren und ggf. zu gestalten.

5. Leistungen

Die Arbeit des Pastoralpsychologischen Dienstes differenziert sich in die Arbeit mit Einzelnen, Paaren, Teams und Gruppen.
Insgesamt leistet pastoralpsychologische Arbeit für Vikarinnen und Vikare, Pfarrerinnen und Pfarrer durch Supervision und Beratung einen Beitrag zur Qualitätssicherung pfarramtlicher Dienste. Durch pastoralpsychologische Aus-, Fort- und Weiterbildung qualifiziert sie Pfarrerinnen und Pfarrer für ihre jeweiligen Aufgaben bzw. Aufgabenfelder.

Dezember 2009